Flierls DDR-Nostalgie

Veröffentlicht am 09.08.2008 in Stadtentwicklung

Wie nicht wenige Genossen der Linkspartei, scheut es auch Thomas Flierl öffentlich für die monolithisch anmutende Architektur der Ex-DDR einzustehen. Zu eintönig und massengefertigt wirkt sie ganze ostdeutsche Stadtbilder verunstaltend, als dass es wert wäre für sie einzutreten. Doch die Sympathie ist scheinbar noch großgenug, um den wichtigen Umbau der Berliner Innenstadt grundsätzlich zu kritisieren.

VON LUCAS KOPPEHL

Thomas Flierl, Kultursenator in spe, hat erst letztens wieder bewiesen, wie sehr er noch immer gedanklich in der DDR verhaftet ist. Und dies offenbar so sehr, dass Flierl selbst die zu DDR-Zeiten begangenen städtebaulichen wie auch architektonischen Bausünden in der Ostberliner Innenstadt nostalgisch als „richtig schön“ bezeichnet. Dank der ungewohnt detaillierten und wohlwollenden Fragen der Berliner Zeitung (vom 7. August) konnte Flierl ausführlichst seine grob gegen verantwortungsvolle Städtebaupolitik laufenden Ansichten vorbringen. Die 1999 noch von der Großen Koalition beschlossene Revitalisierung der City Ost unter ganz deutlicher Bezugnahme auf die bekannte Berliner Blockbebauung der Vorkriegszeit und der damit verbundenen teilweisen Beseitigung der die Innenstadt verunstaltenden Plattenbauten lehnt Flierl ab.

Alternativen unglaubwürdig

Unter dem Vorwand, die Nachkriegsstrukturen als „Dialog der verschiedenen Stadttypologien“ von Ost und West zu erhalten, lehnt der Ex-Senator die Wiederherstellung des historischen Grundrisses des Molkenmarktes wie auch des Spittelmarktes ab und plädiert statt dessen für eine ausdruckslose Begrünung oder die Errichtung eines „Bürgerforums“ vor dem Roten Rathaus (Foren werden ja meistens dann gefordert, wenn einem nichts anderes mehr einfällt) – und dies auf historisch so bedeutender Fläche mit so starkem Potenzial für die Innenstadtaufwertung.
Statt die Intension des Planwerks Innenstadt, eine Art Masterplan für die Aufwertung der City Ost und West, zu erkennen, das durch die Wiederherstellung der historischen Straßenzüge der Vorkriegszeit, einer Verbesserung der Verkehrsführung durch die Innenstadt sowie zwischen Ost und West und durch den Bau von Stadthäusern (sog. Townhouses) wieder bürgerliches Leben und bauliche Attraktivität in die östliche Innenstadt einziehen lässt, huldigt Flierl der kolossalen DDR-Staatsarchitektur, den Brachflächen und verkehrstechnischen Betonwüsten. Doch wie Ernst muss man einen Mann nehmen, der das Haus des Lehrers oder die Kongresshalle am Alexanderplatz „schön“ findet? Nicht auszudenken, wäre Flierl Senatsbaudirektor oder gar Senator für Stadtentwicklung geworden.

Bürgerliches Leben statt Betonplatte

Die Stadt braucht vielmehr etwas ganz anderes: Den Bürgern wie Touristen muss die City Ost wiedergegeben werden, sie müssen sie sich durch ein städtebaulich attraktives und historisch gewachsenes Wohnumfeld wieder zurück erobern können dürfen. Geschlossene Häuserzeilen und -blöcke, öffentliche Parks und Plätze sowie eine angemessene an der Berliner Vorkriegsvergangenheit orientierte Architektur können das bewirken, was planlos systematisch aus dem Boden gestampfte politisch motoviert geplante Betonblöcke längst zerstört haben: Eine Innenstadt von Weltruf, die Berlin mal groß gemacht hat.
Denn wen wundert‘s, dass die Touristenströme, nachdem sie über den Reichstag, Unter den Linden und Nikolaiviertel am Alexanderplatz ankommend hier abrupt enden, wenn jeder Blick die Karl-Marx-Allee entlang, einen an längst vergessene Panzer-und Paradestrecken erinnern und zugleich erschrecken lässt.

Bezug: Flierl-Interview der Berliner Zeitung vom 7. August

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